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Wo zwei oder drei versammelt sind

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(Pfarrer Dr. Kai-Uwe Spanhofer) Ich bin gut wieder heimgekehrt aus meinem Studiensemester in Halle a. d. Saale. Viele Anregungen habe ich mitgenommen aus den Seminaren und Begegnungen. Besonders eindrücklich war für mich das gemeinsame Leben in einem Evangelischen Konvikt. Das Konvikt befindet sich auf dem Gelände der Franckeschen Stiftung und besteht aus zwei Häusern. In ihnen wohnen 71 Studierende jeweils in Vierer-Wohngruppen (WG). Alle haben ihr eigenes Zimmer, die kleine Küche und das noch kleinere Bad werden in der WG geteilt. Auch die Reinigungsaufgaben müssen von jeder WG selbst organisiert und erledigt werden. Wir hatten uns dafür mit einer App digitale Unterstützung geholt. Die darin aufgelisteten Tätigkeiten wurden nach festgelegten Zeitintervallen den WG-Bewohnern zugewiesen. Nach der Erledigung gab es zur Belohnung sogar einige Punkte. Für mich war das alles sehr gewöhnungsbedürftig, aber gut geregelt. Das Zusammenleben (Convivere) steht im Mittelpunkt des Konviktes und ein umfangreiches Semesterprogramm lud zu vielen gemeinsamen Veranstaltungen und spirituellen Angeboten ein. 

„Wo zwei oder drei versammelt sind, da bin ich mitten unter Euch“ versprach Jesu einst seinen Jüngern und Anhängern, als er mit ihnen unterwegs war. Wie oft habe ich in den zurückliegenden Jahren diese Worte bei der letzten Abendmahlsrunde vor dem Altar im Gottesdienst gesprochen. Und wie nahe fühlten wir uns Jesus, als wir in der Hauskapelle des Konviktes zusammen das Abendmahl gefeiert haben. Über alle Grenzen von Geschlechtern, Generationen, Sprachen, Kulturen und Religionen hinweg waren wir vereint als kleine Hausgemeinde.

Wie schön wäre es, wenn solches Zusammenleben auch alltäglich miteinander gelingt. Doch 36 Jahre nach der Wiedervereinigung wird noch immer zwischen den Ossis und Wessis unterschieden, obwohl mittlerweile viele Wessis im Osten und viele Ossis im Westen leben. Ich habe mich in Halle a. d. Saale sehr wohlgefühlt, und viel dazu beigetragen hat die Gemeinschaft im Konvikt. Ich bin meinen jungen WG-Mitbewohnern dankbar, dass sie mich so freundlich aufgenommen haben. Ich wünsche Ihnen auch solche Gelegenheiten, bei denen das Zusammenleben mit anderen gut gelingt. Vielleicht ist das manchmal nur für eine begrenzte Zeit möglich, wie bei mir im Konvikt. Aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Mit dieser Kolumne verabschiede ich mich von Ihnen. Es war mir eine Freude, in den zurückliegenden 20 Jahren meine Gedanken und Glaubenserfahrungen mit Ihnen teilen zu dürfen. Bleiben Sie Gott befohlen und zuversichtlich!

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