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Wenn Engel „Halt“ sagen

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(Pfarrerin Katharina Baumann-Schulz) Bis 1970 stand das Wort “Halt", und nicht “Stopp” auf den Verkehrsschildern in Westdeutschland. Stoppen, d.h. richtig anhalten, das fordert das Stoppschild von allen, die am Verkehr teilnehmen. Dabei ist unerheblich, ob ich der Meinung bin, dass die Straße frei ist, ich das auch langsam fahrend überprüfen kann - “Halt” gebietet Anhalten. Solche “Haltegebote” gibt es nicht nur im Straßenverkehr. Es gibt sie auch in unserem Zusammenleben: “Halt” könnte auch als Überschrift stehen über der sog. goldenen Regel: “Was du nicht willst, was man dir tut, das füg auch keinem andern zu!” Die 10 Gebote mahnen sehr konkret, wo wir jeweils “Halt” machen sollten im Zusammenleben, wo unserer Freiheit, unserem Egoismus Einhalt geboten wird. Und manchmal brauchen wir ganz dringend ein offenes Auge und Ohr dafür, wenn Gott “Halt” sagt.

Eine Krankheit kann so ein Lebenszeichen sein, das mir zeigt: „Halt - so nicht!”

Dem einen schlägt etwas auf den Magen, der anderen geht es an die Nieren. Und manchmal ist das ein so starkes “Halt!”, das uns zwingt innezuhalten, wie vor einem Engel mit Schwert. Was unser Leben ausmacht und was wirklich wichtig ist, das spüren wir oft erst beim Haltmachen. Bei einem Vorgespräch für eine Operation mit ungewissem Ausgang beeindruckte mich vor Jahren der Arzt mit folgender Meinung: „Jetzt war ich so lange Jahre meines Lebens Arzt, und im Nachhinein muss ich sagen, die fruchtbarsten Zeiten für mein Leben waren die, in denen ich nicht Arzt, sondern Patient war.” 

Da ist ein guter Freund, der mich kritisiert. Was mache ich dann mit diesem “Halt - so nicht!”? Traue ich ihm zu, ein Bote Gottes zu sein, oder neige ich dazu, andere für dumm zu halten, wenn sie nicht meiner Meinung sind? Welche Verkehrs-, bzw. Lebenszeichen sind es in unserem Leben, die uns aufmerksam machen: “Halt ein und schau, hör doch!“ Anschaulich wird das in einem Gedicht von R.- O. Wiemer, Die Engel:

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel. 
Sie gehen leise, sie müssen nicht schrein, 
oft sind sie alt und hässlich und klein, die Engel. 
Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand, die Engel. 
Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand, 
oder er wohnt neben dir, Wand an Wand, der Engel. 
Dem Hungernden hat er das Brot gebracht, der Engel. 
Dem Kranken hat er das Bett gemacht 
und hört, wenn du ihn rufst, in der Nacht, der Engel. 
Er steht im Weg und er sagt: Nein, der Engel. 
Groß wie ein Pfahl und hart wie ein Stein – Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel.

Wie gut tut das, wenn ich entdecke, dass ich nicht allein bin mit meinen Fragen, meinem Übermut, meiner Verzweiflung und meinem Versagen. Gott begegnet mir in Menschen an meiner Seite. Auch wenn ich mich von Gott entferne, oft ohne es zu merken, bleibt er mir doch nahe. Im Füreinander – da kommt Gott mir nah. Und wenn 

Engel „Halt“ sagen, dürfen wir erfahren: Gott ist nicht nur auf den geraden, sondern auch auf den Umwegen unseres Lebens für uns da, denn  - so sagt es ein beliebter Taufspruch aus Psalm 91,11: Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen! 

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