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So weit wie der Himmel ist

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(Pfarrerin Katharina Baumann-Schulz) Jetzt ist Urlaubszeit. Viele verreisen noch einmal und ich ertappe mich dabei, dass ich beim Blick in den sternklaren Nachthimmel mich sehnsuchtsvoll erinnere an die Sternschnuppennächte am Strand, die ich noch nie so fantastisch erlebt habe wie im August dieses Jahres. Andere halten jetzt Ausschau nach Polarlichtern, und Sonnenanbeter zieht es nochmal in südlichere Gefilde. Zur Urlaubszeit fahren viele Menschen in alle möglichen Himmelsrichtungen. In Gottesdiensten werden Reisesegen gesprochen. Die Autobahnkirchen – eine solche Kirche ist in Exter ja ganz in der Nähe - werden jetzt wieder besonders häufig aufgesucht.

Ich habe das auch einmal im Ruhrgebiet auf einem Rastplatz getan, auf dem etwas abseits eine kleine Kapelle steht. Als ich in diese hineinkam, war ich ganz allein, es war auch keine Urlaubszeit. Es war nur ein Raum, nicht groß. Aber eine Kerze, ein Teelicht stand dort auf dem Boden und brachte ein Stück Leben und Wärme in den kleinen Raum, ein Kontrast zu den großen Strecken, die wir auf Autobahnen und Landstraßen zurücklegen. Die Stille und die kleine brennende Kerze hier bildeten zudem einen wohltuenden Gegensatz zu den Geräuschen der lärmenden Autos und Lkws draußen. Gleich würde es auch mit unserer Fahrt weitergehen, ein durchaus angenehmer Gedanke. In der kleinen Enge der Kapelle fand ich ein Stück Ruhe, und ich spürte deutlich die Weite der Welt draußen. Ich spürte etwas vom Getragen-Sein auf dem Weg, den wir gehen. Und der Lieblingspsalm meiner Mutter fiel mir ein: Herr deine Güte reicht, so weit der Himmel ist und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen (Psalm 36,6).

Groß und weit ist die Welt, die wir im Laufe unseres Lebens entdecken dürfen, und doch so klein im Vergleich zu dem, was es wirklich alles gibt. Auch Gottes Güte ist viel größer und weiter als wir sehen, nämlich so weit wie der Himmel reicht, der nirgends endet. Ich wünsche allen Verreisenden einen schönen Urlaub und eine gesunde Heimkehr, und uns die wir hierbleiben ein Gespür für die Weite des Himmels und Gottes Güte, die keinen Anfang und kein Ende hat so weit der Himmel ist, und doch uns nahe ist wie das Sonnenlicht bei Tag und die Sterne bei Nacht – auf den großen wie auf den kleinen Wegen. Gott schenke uns klare Sicht, Weitherzigkeit und Warmherzigkeit, dass auch außerhalb von kleinen Kapellen und Kirchen, die ein wichtiger Schutzraum sind für unser seelisches Wohlbefinden, unser Leben durchscheinend ist für seine Güte und Wahrheit, die ausnahmslos allen Menschen gilt. Versuchen wir, diese Weite zu spüren auch im Alltag und unsere Lebenswege nach Kräften mit Güte und Wahrheitsliebe zu gehen, ob als Eltern und Kinder, ob als Arbeitgeber und Arbeitnehmer, in Schule und Universität auch im Miteinander in den Kirchengemeinden und Vereinen und in der Politik. Gott wird uns bei diesem Versuch nahe sein. Ein Liedvers von Paul Gerhardt sagt das so: Abend und Morgen sind seine Sorgen, segnen und mehren, Unglück verwehren sind seine Werke und Taten allein. Wenn wir uns legen, so ist er zugegen; wenn wir aufstehen, so lässt er aufgehen über uns seiner Barmherzigkeit Schein.

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