Erwartung
(Pfarrerin Renata Pense) Wir sitzen im Chorraum der Kirche an der gedeckten Tafel und genießen die besondere Atmosphäre. Die Sonne scheint durch die Fenster und taucht das Kirchenschiff in wunderschöne warme Farben. An diesem Nachmittag feiere ich mit der Frauenhilfe ein Tischabendmahl, das im Zeichen dieser Zeit steht: Wir befinden uns zwischen Ewigkeitssonntag und dem 1. Advent. Eine Woche, die uns zum Innehalten und Nachdenken anregen möchte. Und schon bald steht in unseren Gesprächen eine Frage im Raum: Was erwarte ich in diesem Jahr von der Adventszeit? Warte ich überhaupt auf etwas? Habe ich noch Erwartungen an mein Leben? Wonach sehne ich mich?
Wenn ich etwas erwarte, dann schaue ich nach vorn. Dabei richte ich mich auf und lasse meinen Blick in die Ferne schweifen. Allein schon diese Haltung kann hilfreich sein.
Am 1. Advent hören wir einen Spruch des Propheten Sacharja, der uns zuruft: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“ Um ihn sehen zu können, muss ich aufschauen.
Dabei muss ich an einen alten Cartoon mit Charlie Brown denken. Kennen Sie den noch? Charly Brown ist die Hauptfigur des Comic-Strips Peanuts: ein häufig ziemlich deprimierter, weil im Großen und Ganzen penetrant erfolgloser Junge. Wenn er sich in eine Schulkameradin verliebt, will sie garantiert nichts von ihm wissen, wenn er eine gute Idee hat, hat irgend einer seiner Freunde eine bessere oder die Umsetzung misslingt – wie auch immer, Charlie Brown neigt dazu, den Kopf hängen zu lassen.
In einem der Cartoons sieht man Charlie und ein kleines Mädchen, das ihm aufmerksam zuhört. Charlie (Kopf nach unten, Arme hängend) sagt zu ihr: „So stehe ich da, wenn ich deprimiert bin.“ Er richtet sich auf und erklärt: „Wenn du deprimiert bist, ist es ungeheuer wichtig, eine ganz bestimmte Haltung anzunehmen . . . Das Verkehrteste, was du tun kannst, ist aufrecht und mit erhobenem Kopf dazustehen, weil du dich dann sofort besser fühlst. Wenn du also etwas von deiner Niedergeschlagenheit haben willst, dann musst du so dastehen. . .“ (Kopf und Arme wieder hängend).
Das Aufsehen verändert die Perspektive. Wir richten uns dabei automatisch auf und können zum Horizont schauen. Und schon Charlie Brown hat festgestellt, dass „du dich dann sofort besser fühlst“. Ich habe es oft genauso erlebt, bei mir selbst und auch bei anderen. Ich denke da zum Beispiel an eine Beerdigung. Die Witwe saß in sich zusammen gesunken auf ihrem Platz. Ihr Blick starrte ins Leere, der Kopf war gesenkt. Während der biblischen Lesung aus der Offenbarung des Johannes: „Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen und der Tod wird nicht mehr sein.“, ging ein Ruck durch die Frau. Sie horchte auf. Ihr Blick suchte mich und sie hörte zu. Dabei richtete sie sich auf. Am Ende der Trauerfeier saß sie aufrecht und es sprach neue Hoffnung aus ihrer Haltung.
Im Advent denken wir an Gottes Verheißung, dass er selbst auf uns zukommt. Wir müssen uns nicht darum bemühen, wir müssen ihm noch nicht einmal entgegen gehen. Wir richten uns auf und schauen ihn an. Und erwarten ihn. . .







