Ein Platz für Tiere
(Pfarrerin Renata Pense) Wo sind denn nur die ganzen Stofftiere geblieben?“ Ratlos schau ich mich um. Es ist Sonntagmorgen; wir stehen in der Kinderkathedrale in Lippinghausen und möchten damit beginnen, den Kirchraum für die Kirche Kunterbunt umzugestalten, als es mir auffällt. Wir haben doch sonst immer zwei Erdmännchen unter der Hängematte stehen. Jetzt liegt da nur eins – allein und verloren.
Und wo ist der dicke Elefant? Und der Koalabär mit seinen Jungen? Die Biene ist auch nirgendwo zu entdecken. Mich beschleicht ein ungutes Gefühl. Wenn sich ein kleines Kind mal nicht trennen kann von einem Tier, mit dem es lange in der Kinderkathedrale gespielt hat und es heimlich mit nach Hause nimmt, habe ich natürlich vollstes Verständnis. Aber so viele Tiere sind weg. Die können doch nicht alle in andere Haushalte abgewandert sein!

Unsere Gemeindepädagogin Isa sieht meinen suchenden Blick und hat eine Idee. Sie krabbelt unter den Altar, der mit einer Decke verkleidet ist und fördert ein Stofftier nach dem anderen hervor. Da haben sich die Kinder also eine Höhle gebaut und ihre Schätze hinein gelegt: Ein Platz für Tiere!
Ich freue mich sehr und schäme mich ein wenig für meine etwas finsteren Gedanken. Die Tiere waren die ganze Zeit da – ich habe sie nur nicht gesehen! Beim nächsten Mal werde ich erst gründlich auf die Suche gehen, bevor ich einen Verdacht hege.
Im Nachhinein muss ich schmunzeln über diese kleine Begebenheit. Die Kinder haben einen wirklich schönen Ort gefunden für ihre Lieblinge. Direkt unter dem Altar! Ich denke, dass es ein bisschen so ist wie mit unserem manchmal auch etwas geheimnisvollen Gott, der zwar ständig da, aber nicht immer zu sehen ist. Und ich denke an die Geschichte vom verlorenen Schaf, die Jesus erzählt. Da geht eins von 100 Schafen verloren und der gute Hirte macht sich so lange auf die Suche, bis er es gefunden hat.
So beschreibt Jesus die Liebe und Fürsorge unseres Gottes für jeden einzelnen von uns. Er möchte uns in seiner Nähe haben, sucht uns, und wenn er uns dann gefunden hat, freut er sich. In der Geschichte feiert er sogar ein Freudenfest. Wir haben an besagtem Sonntag in der Kinderkathedrale übrigens die Hochzeit von Kanaan gefeiert, in der Jesus Wasser zu Wein verwandelt und somit die Feier gerettet hat.
Diese biblische Geschichte zeigt uns, dass wir in seiner Nähe stets die Fülle des Lebens erleben dürfen. Und die Stofftiere waren auch dabei – alle an ihrem Platz.






