Die Weisen aus dem Morgenland
(Pfarrerin Renate Pense) Schon wieder ist eine liebe E-Mail mit dem Foto einer hübschen Krippe in meinem Postfach gelandet! In diesem Jahr hatten wir vor Weihnachten die Idee, den Familien, die den alljährlichen Advent-to-go-Spaziergang mitgemacht haben, das Bastelmaterial für ein Fensterbild zu schenken. Jeden Adventssonntag kamen weitere Figuren dazu, zunächst der Stall mit einer noch leeren Krippe, dann Maria und Josef, Ochs und Esel, Hirten und Schafe, ein Engel, ein Stern und Heiligabend natürlich das Jesuskind.
Jetzt am 6. Januar konnte das Bild vervollständigt werden: da kamen noch die drei Weisen, die Sterndeuter aus dem Osten dazu. Jetzt sind die Fensterdekorationen fertig und ich darf mich über wunderschöne Bilder freuen, die mir von den beteiligten Familien zugeschickt wurden. Für mich gehören die Weisen zu den geheimnisvollsten Gestalten der Weihnachtsgeschichte, denn die Bibel selbst ist sehr zurückhaltend mit genaueren Angaben. Im Evangelium nach Matthäus steht dazu: „Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten.“ Keine Namen, keine Anzahl, keine genaue Herkunft. Erst im 6. Jahrhundert bekamen sie die Namen Kasper, Melchior und Balthasar. Aber das wenige, das wir von ihnen wissen, fasziniert mich jedes Mal aufs Neue. Sie haben offensichtlich den Himmel beobachtet und einen unbekannten Stern entdeckt und sind ihm gefolgt. Um so etwas zu tun, braucht es eine starke Sehnsucht.
Wonach haben sie eigentlich gesucht?
Vielleicht geben ja ihre Geschenke darüber Auskunft. Gold: Sie erwarten einen sehr kostbaren Menschen, einen echten König, jemanden, der ihnen Frieden bringt. Weihrauch: Dieses wertvolle Räucherwerk deutet daraufhin, dass sie hoffen, das neugeborene Kind möge eine Verbindung zwischen Erde und Himmel herstellen, so wie der Rauch stets von unten nach oben steigt. Und Myrrhe war ein damals bekanntes Heilmittel. Vielleicht haben diese Menschen also Sehnsucht nach einem König, der Frieden schafft, der eine Brücke zu Gott baut und Heil in diese Welt bringt. Sie haben eine Ahnung, dass Gott hier etwas ganz Neues beginnt. Und so machen sie sich auf den Weg.
Diese Geschichte lädt uns ein, aufmerksam Ausschau zu halten nach Zeichen Gottes und mutig aufzubrechen, wenn wir sein Licht erkannt haben. Voller Vertrauen, dass Gott uns Frieden und Nähe schenken will.







