Der Tisch ist gedeckt
(Pfarrerin Katharina Baumann-Schulz) Kennen Sie das? Da habe ich nun eine Stunde in der Küche gestanden und habe für alle gekocht, gehe in den Flur und rufe „Essen kommen!“ Und dann wird auch geantwortet: Von „Ich komme“ über „Ja gleich“ bis „ich kann jetzt grad nicht“ ist alles dabei – jedenfalls bei uns. Und nicht immer glückt es, dass der Tisch dann schon gedeckt ist, wenn es losgehen soll, oder auch nur annähernd alle sechs Familienmitglieder dabei sind. Aber sonntags, da haben alle mehr Zeit und helfen im Bestfall mit. Denn Sonntags ticken die Uhren anders; und dass alles besser klappt als sonst liegt vielleicht auch daran, dass am Beginn dieses Tages ein Gottesdienst steht: Eine Auszeit vom Alltag, in der ich Lasten abgeben kann, Kraft schöpfen durch Gebet, Gesang und Musik, durch die freundlichen Gesichter, denen ich begegne im gemeinsamen Gottesdienstfeiern und im Gespräch, so dass ich hellhörig werde für Gottes Wort in den Menschenworten und spüre, was meinem Leben Sinn und Halt gibt, und begreife: Der Tisch ist gedeckt - für uns alle. Denn im Gottesdienst kommen wir zusammen am Tisch des Herrn.
Sein Tisch ist immer schon gedeckt für uns mit Güte, Vergebung und Hoffnung – nicht nur beim Abendmahl. Als ich eine inzwischen sehr schwerhörige Dame aus der Frauenhilfe nach einem Gottesdienst einmal fragte: „Verstehen sie überhaupt noch etwas? Hören sie wenigstens die Musik?“ Da antwortete sie: „Nein, ich höre fast nichts, aber ich halte es mit dem 84. Psalm: „Wie lieblich sind mir deine Wohnungen Herr Zebaoth. Wie sehr liebe ich den Ort, an dem du wohnst!“ Diese Antwort werde ich nie vergessen, denn ich war etwas beschämt, wie oberflächlich und vordergründig meine Frage gewesen war. Denn Gottesdienst ist ja mehr als nur das Hinhören: Da ist Fröhlichkeit und Gemeinschaft spürbar, wenn füreinander gebetet und gesungen wird und vieles mehr. Jeder Ort, an dem Gottesdienst gefeiert wird, wird dadurch zu einer besonderen Wohnung – zu Gottes Haus, dort wirkt sein Geist auch jenseits von optischen, akustischen oder kognitiven Fähigkeiten – weil wir mit allen Sinnen erfahren dürfen: Der Tisch ist gedeckt. Gott ist immer schon da. Auf der Speisekarte steht Gottes Liebe für uns in verschiedensten Variationen, z.B. die Geschichten, die von Jesus erzählt werden, spannend, aufbauend und richtungsweisend.
In unserer Kirche in Lippinghausen entsteht gerade ein neuer Lieblingsort für solche Auszeiten vom Alltag. Seit März ist die Kirche in der Mittelpunktstraße 57 Kinderkathedrale des Kirchenkreises Herford. Nachdem bis zu den Sommerferien die Entstehung der Schöpfung mit allen Sinnen erlebt werden konnte, entsteht nun – zusammen mit Kindern geplant - gerade eine ganze Stadt in der Kirche: mit Häusern, Marktstand und Dorfbrunnen, ein mit viel Fantasie und Kreativität gestalteter Ort, an dem es für Groß und Klein viel zu entdecken gibt. Und an jedem ersten Sonntag im Monat um 11.00 Uhr wird Familiengottesdienst gefeiert mit gemeinsamen Essen im Anschluss. Am Sonntag, den 6. September, ist dort Kirche Kunterbunt zum Thema ‚Freundschaft‘.








