Aufschauen!
(Pfarrerin Katharina Baumann-Schulz)
In diesen Tagen lohnt wieder einmal der Blick in den Abend- und Nachthimmel des August. Im Meteorstrom der Perseiden lassen sich zwischen dem 12. und 15. August wieder besonders viele Sternschnuppen beobachten.
Der Abend des 12. August beginnt zudem mit einer partiellen Sonnenfinsternis. Zunächst schiebt sich am frühen Abend der Mond vor die Sonne und verdeckt sie bei uns je nach Standort zu einem großen Teil - bis zu etwa 92 Prozent der Sonnenscheibe. Wenige Stunden später, wenn der Himmel dunkel geworden ist, ziehen die Perseiden ihre leuchtenden Spuren über das Firmament. Durch den Neumond sind die Sternschnuppen in diesem Jahr besonders gut zu sehen.
Solche Himmelsereignisse lassen viele Menschen staunen. Wir erinnern uns daran, dass wir nicht alles in der Hand haben. Über unserem Alltag mit seinen Terminen, Nachrichten und Sorgen spannt sich ein Himmel, der schon lange vor uns da war und nach uns bleiben wird.
Der Beter des Psalms bringt dieses Staunen in Worte: „Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?“ (Psalm 8,4+5a). Die Antwort überrascht. Gerade angesichts der Weite des Universums wird der Mensch nicht klein gemacht. Im Gegenteil: „Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt“ (Psalm 8,6). Gott verliert keinen einzigen Menschen aus dem Blick. Jede und jeder ist von ihm gewollt und gesehen.
Bis hierher führt uns der Blick zum Himmel. Doch der christliche Glaube bleibt nicht beim Staunen über die Schöpfung stehen. Er richtet unseren Blick auf Jesus Christus. In ihm zeigt Gott nicht nur seine Größe, sondern vor allem seine Liebe zu uns Menschen.
Jesus sagt: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Johannes 8,12). Die Sonne kann für kurze Zeit vom Mond verdeckt werden. Das Licht Christi aber scheint auch in den Finsternissen unseres Lebens. Es schenkt Hoffnung und Orientierung - gerade dann, wenn das Leben Schatten wirft.
Und wer in der Nachfolge lebt, erhält einen Auftrag. Jesus sagt zu seinen Jüngerinnen und Jüngern: „Ihr seid das Licht der Welt.“ (Matthäus 5,14a). Das ist Zuspruch und Auftrag zugleich. Wir sind berufen, Gottes Licht sichtbar werden zu lassen: mit einem offenen Ohr, einer helfenden Hand, einem freundlichen Wort und dem Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. So endet der Blick zum Himmel nicht beim Himmel. Er führt zurück auf die Erde - zu den Menschen, die unsere Aufmerksamkeit, unsere Hoffnung und unser Handeln brauchen.
Vielleicht ist das die schönste Einladung dieser besonderen Augustnächte: aufzuschauen. Zu staunen über Gottes Schöpfung. Sich daran erinnern zu lassen, dass wir von Gott gesehen und geliebt sind. Und am nächsten Morgen mit neuem Mut den Blick wieder auf die Menschen neben uns zu richten. Gottes Licht will nicht nur den Himmel erhellen.






