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Tonleiter

| Teaser

(Pfarrer Brings) Ich habe den Spruch - aufgeschnappt in einer alten Trompetenschule - noch gut im Ohr: „Stets Etüden dich ermüden, Telemann bringt dich voran!“ Als blechblasbegeistgertes Kind gefiel mir das, auch wenn ich schnell feststellen musste, dass in der Musik noch kein Meister vom Himmel gefallen ist. Vor allem Brillieren steht das Lernen. Notgedrungen erkannte ich die Notwendigkeit des Übens, wenn ich vorankommen wollte. Nun gehören Tonleiterübungen sicherlich zum Grundrepertoire eines jeden musikalischen Trainingsplans. Und so begann ich, die Tonleitern durch alle Tonarten hindurch auf und ab zu klettern, bis die Finger verknotet und die Lippen ermattet waren.

An diesem Wochenende feiern wir den Sonntag „Kantate“ und denken über die Bedeutung der Musik für unseren Glauben nach.  Und ich denke: Vielleicht ist es ja gerade das – die Erkenntnis, dass auch der Glaube geübt, eingeübt werden will, damit er mich im Leben voranbringt und sein tröstendes, mutmachendes, hoffnungsvolles und orientierendes Potential entfaltet. Wie wäre es also mit einer kleinen Tonleiterübung Gottes (aufgeschnappt in einer alten Tonleiterschule von Hartwig Schulz).

Wir wählen die Tonart CC wie Christus. Die Tonart C hat keine Vorzeichen. Bei Christus werden keine Vorbedingungen gestellt. Wir können kommen, wie wir sind. C kann jeder. So, wie es ist, ist es in Ordnung. 

Auf das C folgt das DD wie Dankbarkeit. Ich denke kurz darüber nach, worüber ich dankbar bin. Gott ist ein guter Adressat, dem ich es sagen kann. 

E – wie Einheit. Vor Gott sind wir eine große Familie. So unterschiedlich wir sind, wir sind alle gleich geliebt und wertvoll. Im Glauben an Gott sind wir eine starke Gemeinschaft, mit Respekt für alle. So wird Frieden möglich – das F.  Es geht um Frieden im Herzen, Frieden im Land, Frieden in der Welt, und vor allem um den Frieden, den Jesus uns gibt und der alles menschliche Verstehen übersteigt.

G – wie Glaube. Um diese Mitte geht es. An mehreren Stellen sagt Jesus zu den Menschen: Dein Glaube hat dir geholfen! - Wir alle spüren die Sehnsucht und vielleicht auch die Erfahrung in uns, wie sehr das zutrifft. Deshalb verbindet sich mit dem Gesang des Kantatefestes die Bitte, Jesus möge unseren Glauben stärken und wachsen lassen. Entsprechend gehört auch das A unbedingt dazu, A – wie Anbetung. Gebet ist das Atemholen der Seele. Es öffnet das Herz, das dadurch so weit wird, dass Gott und das Vertrauen in ihn einziehen kann. 

So geht die Anbetung über in das H – wie Halleluja; oder manchmal auch wie „Her, erbarme dich“. Beides gehört zu unserem Leben, das Loben und das Klagen, Dur und Moll, Glaube und Zweifel. Wir kennen beides. In dieser Spannung leben wir und in dieser Spannung loben wir Gott.

Am Ende der Tonleiter kommen wir wieder zum C – wie Christus. Er ist Anfang und Ende, Alpha und Omega. 

Ton für Ton, Gedanke für Gedanke klettere ich die Tonleiter wieder hinab, lasse den Klang auf mich wirken und wiederhole diese Übung, bis ich die Töne zu variieren beginne und zu neuen, frohklingenden Melodien zusammensetze. Aus dem Üben wird Brillieren, aus dem Glauben wird Hoffen, aus Fragen erwächst Zuversicht. 

Eine Tonleiter Gottes, uns allen zum Üben empfohlen.

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