Glauben, hoffen und lieben
(Pfarrer Dr. Kai-Uwe Spanhofer) Manchmal sagt ein Satz mehr als 1000 Worte. So einen Satz hat Paulus an die Gemeinde in Korinth formuliert: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Diese drei christlichen Grundtugenden sollen für das Leben in einer Gemeinschaft gelten. Doch die Wirklichkeit sah schon damals in Korinth anders aus. Und auch heute verlieren die christlichen Grundtugenden immer mehr an Bedeutung, wenn Unrecht und Gewalt siegen. Welchen Sinn hat es, an etwas zu glauben oder auf etwas zu hoffen, wenn sich doch nichts ändern lässt?
Glaube ist mehr als nur das Für-wahr-Halten von Geschichten. Er ist ein Kompass. Er sagt uns: Du bist nicht allein. Du musst nicht alles selbst tragen. Der Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer sagte: „Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen.“ Ein Glaube ohne Hoffnung ist deshalb kaum vorstellbar. Hoffen heißt nicht, die Augen vor den Realitäten zu verschließen. Die Hoffnung vertraut aber darauf, dass unser Leben nicht so bleiben muss, wie es ist. Dafür steht auch die Liebe, die unseren Worten Taten folgen lässt. Ein Glaube ohne Liebe wird kalt. Eine Hoffnung ohne Liebe wird starr. Die Liebe macht unseren Glauben lebendig und lässt uns unsere Hoffnung im Herzen spüren. Und diese Hoffnung kann zu einer „Trotzkraft“ werden, die Veränderungen ermöglicht.
Auf die Frage, was wird man in der Zukunft über unsere heutige Generation sagen, antwortet die Theologin und Autorin Christina Brudereck: „Schön wäre ja, es würde erzählt: Die wussten Rat. Sie waren großzügig. Gastfreundlich. Die hatten Energie für das Neue. Sie setzten nicht auf Gewalt, Vorurteile und Abgrenzung. Als die Welten sich immer mehr trennten, wurden sie nicht müde, an die Würde des Menschen zu glauben. Sie waren beherzt. Sie stifteten Gemeinschaft. Als es schwierig wurde, wurden sie erst richtig mutig und stark. Sie zogen sich nicht zurück ins Private. Fröhlich öffneten sie ihre Häuser. Sie hofften – auch für andere mit. Sie hatten gute Geschichten zu erzählen. Und schöne Lieder zu singen. Sie hatten Trotzkraft.“
Solche Trotzkraft wünsche ich uns: einen Glauben trotz mancher Zweifel, eine Hoffnung trotz vieler Ängste und die Kraft der Liebe, die Gott uns schenkt, um uns gegen alles zu wehren, was Menschen gegeneinander aufbringt, sie spaltet und einander bekriegen lässt.






