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Der Mensch bleibt ein Winzling

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(Pfarrerin Katharina Baumann-Schulz) Wenn alles nach Plan gelaufen ist, wird die Artemis-2-Crew in der  letzten Nacht vor der Küste von San Diego im Pazifik gelandet sein. Vier Astronauten waren in dieser Woche so weit weg von der Erde wie noch kein anderer Mensch vor ihnen – ein neuer Rekord: 406.771 Kilometer von Erde entfernt. Mit dieser Mondmission ist der Grundstein gelegt für das, was noch kommen soll: In der Zukunft sollen Menschen dauerhaft auf dem Mond stationiert sein.

„Was ich diesmal beim Anblick der Erde anders empfunden habe, war nicht nur die Schönheit der Erde, sondern auch wie schwarz es drumherum ist. Das macht es noch besonderer“, sagte Astronautin Christina Koch. Diese Einblicke in die finsterste Dunkelheit können uns allen bewusst machen: Wir haben nur diesen einen blauen Planeten mitten in der Dunkelheit. Und deshalb ist es so wichtig, dass das, was in der Raumfahrt gelingt – eine Zusammenarbeit über Länder-, Konzern- und Militärinteressen hinweg – auch auf unserer Erde gelingt. 

Ein seit 200 Jahren bekanntes Kinderlied des Pfarrers Wilhelm Hey mahnt uns: Weißt du, wieviel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt? Weißt du, wieviel Wolken gehen weithin über alle Welt? Gott, der Herr, hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet an der ganzen großen Zahl, an der ganzen großen Zahl. Nein, ich weiß nicht wieviel Sterne es gibt. Und ja: Wir sind Winzlinge im Universum, ein Blick in den sternklaren Nachthimmel genügt, um das Staunen darüber zu lernen. Aber haben wir es in dieser Welt, in diesem Leben, nur mit uns selbst zu tun? Der deutsche Astronaut Reinhold sagte einmal: „Ja, ich bin im Himmel gewesen, aber nicht im Himmel meines religiösen Kindheitsglaubens, sondern im physikalischen Himmel. Von dort ist keine übernatürliche Hilfe für die Menschen zu erwarten. Sie sind selbst für ihre Zukunft und ihr Wohlergehen verantwortlich.“

Doch auch Raumfahrer sind Winzlinge. Darum ist es tröstlich, dass wir Christen zeitgleich mit der Mondmission in dieser Osterwoche dem Wunder nachgespürt haben, wie Jesus Christus den Tod besiegt, wie der Tod nicht das letzte Wort hat, sondern die Liebe und neues Leben. Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln. Auf Gott hoffen, ihm vertrauen, das bedeutet, von sich absehen zu können, von der eigenen Kraftlosigkeit, von dem eigenen kleinen Mut und der Kleinheit unserer Erfolge. Auf Gott zu hoffen heißt auch, auf mehr zu hoffen als auf die eigenen Kräfte. Der oft so sternklare Himmel mag den Dichter Wilhelm Hey zu dem Lied inspiriert haben: „Weißt du wieviel Sternlein stehen?“, aber nicht nur, sicher auch das alttestamentliche Wort für diesen Sonntag aus dem Jesajabuch (Kapitel 40): „Hebt eure Augen auf in die Höhe und seht! Wer hat die Sterne dort oben geschaffen? Er, der Herr lässt sie alle aufmarschieren, jeden von ihnen ruft er beim Namen; seine Macht und seine Kraft ist groß, dass es nicht an einem fehlen kann. Weißt du nicht? Hast du nicht gehört: Der Herr, der Himmel und Erde geschaffen hat, wird nicht müde und matt; sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt den Müden Kraft, und Stärke den Unvermögenden.“ Darauf möchte ich vertrauen.

Der Mensch bleibt ein Winzling, aber - so heißt es in dem bekannten Kinderlied Wilhelm Heys: Gott „kennt auch dich und hat dich lieb.“ Er schenke uns seine Kraft, jeden Tag neu!

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