Zum Hauptinhalt springen

Thomas

| Glaube

(Pfarrer Martin Brings) Eigentlich ist er mir sympathisch, der biblische Thomas, der nicht sofort jedem Hörensagen Glauben schenkt und nicht unkritisch in das laute Geschrei mit einstimmt, das die Menschen um ihn herum erheben. Er folgt der biblischen Haltung „prüft aber alles und das Gute behaltet“; er will sich selbst ein Bild verschaffen. Mit eigenen Augen will er sehen und mit eigenen Händen fühlen, was die anderen ihm erzählen. Er will im wahrsten Sinne des Wortes begreifen können, dass Jesus, dessen Tod er erlebt hat, lebt und weiter für sie da ist.

Seine Haltung hilft ihm. Am Ende führt sie ihn zu einer ihn tragenden Erkenntnis. „Mein Herr und mein Gott!“ bekennt Thomas, als Jesus ihm tatsächlich erscheint und ihm das Sehen, Fühlen und Begreifen gewährt. Jesus nimmt seine Hand und legt sie in seine Wundmale. Das überzeugt schließlich auch den kritischen, besonnenen, nachdenkenden und nachfragenden Thomas.

So gesehen erzählt uns der Evangelist Johannes eine Erfolgsgeschichte. Wenn nur nicht dieser kritische Nachsatz Jesu wäre: „Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ Fordert uns Christus hier zur blinden Nachfolge auf? Kann nur selig werden, wer seinen Verstand ausschaltet? Ich glaube, das Gegenteil ist der Fall. Wer seinen Verstand benutzt, wird zugestehen, dass sich in der Welt und im Leben immer wieder Dinge ereignen, die nicht berechenbar und begreifbar sind. Wer sein Weltbild auf das beschränkt, was vor Augen ist, blendet die Erfahrung von Überraschendem aus.

Nun haben wir aber viele Dinge, die wir erleben, nicht in der eigenen Hand. Sie geschehen überraschend, ohne dass wir sie so richtig begreifen können. So sind z.B. Glück und Liebe nicht planbar, geschweige denn erklärbar. Aber sie sind eine Realität in meinem Leben, die mich mit Freude erfüllt. Das Leben lässt mich immer wieder Staunen – Gott sei Dank. Dieses Staunen möchte ich mir erhalten. Vielleicht ist der Glaube am Ende tatsächlich ein bisschen wie blindes Vertrauen. Er ist und bleibt ein zuversichtliches Wagnis. Aber um dieses Vertrauen wagen zu können, gewährt Jesus auch uns „Sichtmale“, an denen wir unsere Hoffnung festmachen können – Erlebnisse, die uns zeigen: Jesus lebt und ist für uns da.

<< Zurück

Aktuelle Termine und Veranstaltungen