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Das Beste kommt noch

| Glaube

(Pfarrer Kai-Uwe Spanhofer) Aus dem Mittelalter stammt die bekannte Redewendung, dass jemand seinen Löffel abgibt. Der Löffel war dabei mehr als ein Gebrauchsgegenstand. Gerade in ärmeren Haushalten besaß jedes Familienmitglied nur einen einzigen eigenen Löffel, mit dem gegessen wurde. Der eigene Löffel war ein lebenslanger Begleiter. Starb jemand, wurde sein Löffel weitergegeben – meist an ein Kind oder Familienmitglied, das bisher keinen eigenen besaß. So entstand der Ausdruck „den Löffel abgeben“ als Umschreibung für das Lebensende.

Die folgende Geschichte erzählt dagegen von einer älteren Frau, die ihren Löffel behalten wollte. Obwohl sie spürte, dass ihre Lebenskräfte schwanden, wollte sie ihren Löffel behalten. Das war ihr persönlicher Wunsch, als sie mit der Pfarrerin über ihre bevorstehende Beerdigung sprach. „Ich möchte mit einem Löffel in der Hand beerdigt werden und alle sollen mich so sehen können“, sagte sie fest entschlossen. Die Pfarrerin war irritiert und fragte: „Warum denn mit einem Löffel?“ Und sie antwortete darauf: „Ich war in meinem Leben zu vielen Feierlichkeiten eingeladen und habe gerne an manchen Festtafeln gesessen. Besonders erfreut war ich immer gewesen, wenn es am Ende hieß: den Löffel können sie noch behalten. Dann wusste ich, dass das Beste noch kommt.“

Manche nennen die Teelöffel auch die „kleinen Propheten“, die auf dem festlich gedeckten Tisch darauf hinweisen, dass es nach dem Hauptgang noch einen Nachtisch gibt. Andere nennen sie auch die „Osterlöffel“, weil sie einen hoffen lassen, dass das Beste noch kommt. Ich gebe meinen Löffel nicht einfach ab, sondern behalte ihn, denn bei Gott erwartet mich ein neues Leben an seiner Festtafel. 

In der Church Night am vergangenen Reformationstag haben wir über hundert Holzlöffel verteilt und dabei die aufgedruckten Worte einander zugesprochen: „Das Beste kommt noch – deshalb fürchte ich kein Unglück!“ Gerade in diesen herausfordernden Zeiten brauchen wir mehr von solcher Zuversicht. Die stillen Feiertage am Ende des Kirchjahres erinnern uns daran, dass unsere Lebenszeit auf Erden begrenzt ist. Ich selbst möchte meinen Löffel auch gerne behalten und freue mich auf mein Geburtstagsbuffet an diesem Wochenende. Ich werde es genießen als Vorgeschmack auf das, was mich bei Gott erwartet.

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