Für diese eine
(Diakon Jörg Lange) Nach einem heftigen Sturm lag der Strand am nächsten Morgen still da. Das Meer hatte sich beruhigt, doch die Brandung hatte ihre Spuren hinterlassen. Überall im feuchten Sand lagen Muscheln. Unzählige Miesmuscheln und Herzmuscheln, die die Wellen weit über die Wasserlinie hinausgetragen hatten. Ein Kind ging den Strand entlang. Immer wieder blieb es stehen, hob eine Muschel auf und brachte sie zurück ins Meer. Dann lief es ein paar Schritte weiter und tat dasselbe mit der nächsten Muschel. Ein älterer Mann, der am Strand spazieren ging, beobachtete das eine Weile. Schließlich blieb er stehen und sagte freundlich, aber doch skeptisch: „Du gibst dir viel Mühe. Aber sieh´ doch - der ganze Strand ist voller Muscheln. Du wirst nie alle zurück ins Wasser bringen können. Was ändert es schon?“ Das Kind schaute kurz über den weiten Strand, auf dem tatsächlich noch zahllose Muscheln im Sand lagen. Dann aber kniete es sich wieder hin, hob eine weitere Muschel auf, legte sie behutsam ins Meer und sagte schlicht: „Für sie ändert es etwas!“
Vielleicht ist das ein kleines Bild für eine große Wahrheit. Manchmal scheint die Not in der Welt so groß, dass unser eigenes Tun fast bedeutungslos wirkt. Was kann ein einzelner Mensch schon ausrichten? Doch genau hier erinnert uns die Bibel an etwas Entscheidendes. In Matthäus 7,12 - der sogenannten Goldenen Regel - sagt Jesus: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!“ Diese Worte fordern nicht immer große Gesten, sondern eine Haltung: aufmerksam sein, helfen, wo man gerade helfen kann - auch wenn es nur einem einzelnen gilt.
Der Apostel Petrus greift diesen Gedanken auf. Im 1. Petrus-Brief 4,10 schreibt er: „Dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes.“
Jeder Mensch hat Möglichkeiten, anderen etwas Gutes zu tun. Vielleicht mit einer kleinen Geste, einem offenen Ohr, einem ermutigenden Wort oder praktischer Hilfe im richtigen Moment.
Die Welt wird dadurch nicht auf einmal vollkommen. Aber für jemanden kann es genau den Unterschied machen, den er gerade braucht.
So wie für eine Muschel, die wieder im Wasser liegt.






