| Wir sind Papst |
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| Geschrieben von: Kai-Uwe Spanhofer |
| Donnerstag, den 22. September 2011 um 16:17 Uhr |
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So lautete einst die Schlagzeile einer großen Boulevardzeitung nach der Wahl von Josef Ratzinger zum neuen Papst. Jetzt ist Benedikt XVI. bei uns zu Besuch und viele diskutieren kontrovers darüber. Als Kirchenoberhaupt und Staatschef des Vatikans hat der Papst ein ganz besonderes Amt inne, das eine große Machtfülle für sich beansprucht und viele Erwartungen weckt. Als Protestant habe ich ein eher distanziertes Verhältnis zu Papst und Kurie. Jedoch finde ich es bemerkenswert, dass Benedikt XVI. auch das Erfurter Augustiner Kloster besucht, in dem Martin Luther einst als Mönch lebte und zum Priester geweiht wurde. Vielleicht kann dieser Besuch den ökumenischen Gesprächen einen neuen Impuls geben. Darauf warten viele Menschen innerhalb und außerhalb unserer Kirchen.
Schließlich wird sich auch bis zum Vatikan in Rom herumgesprochen haben, dass in vielen Ortsgemeinden die Ökumene bereits ganz praktisch gelebt wird. Katholische und evangelische Christen feiern zusammen das Abendmahl, auch wenn die Einheit der Kirchen noch auf sich warten lässt. Wir lesen gemeinsam die Bibel und kommen bei der Bibelwoche darüber ins Gespräch. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen konfessionsverschiedene Ehen ein Tabubruch waren. Heute gibt es die ökumenische Trauung und manchmal beerdige ich auch einen katholischen Christen, wenn es die evangelischen Angehörigen wünschen und der katholische Amtsbruder erlaubt.
Und dennoch gibt es leider immer noch zwischen den beiden christlichen Konfessionen Unterschiede im Verständnis von Kirche und Amt, von Ehe und Familie. Manche Entscheidung und Verlautbarung des Papstes kann ich nicht verstehen. Aber als gute Gastgeber sollten wir auf das hören, was der Papst zu sagen hat. Es kann nicht schaden, gemeinsam über die christlichen Wurzeln und Traditionen im Land der Reformation neu nachzudenken. Religionslos ist niemand. Es gibt immer etwas, woran wir glauben und worauf wir hoffen. Ob die christliche Hoffnung überzeugt, das entscheidet jeder selbst.
Ich freue mich jedenfalls schon auf meinen Gegenbesuch beim Papst im kommenden Frühjahr, wenn ein Teil unserer Pfarrkonferenz und einige Priester aus dem Dekanat zusammen nach Rom reisen werden.
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| Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 22. September 2011 um 17:19 Uhr |



