| Predigt von Superintendent Krause zum Vereinigungsfest |
|
|
|
| Geschrieben von: Administrator |
| Donnerstag, den 01. Juli 2010 um 16:12 Uhr |
|
Liebe Gemeinde, wer ist dafür, dass Stephanus die Gemeinde leiten soll? Die Leute stimmen für ihn. Es ist eine gute Wahl. Die Lage war kompliziert, da brauchte es ein gute Leitung, ein gutes Leitbild. Hören wir den biblischen Zusammenhang aus der Apostelgeschichte: „In diesen Tagen, als die Zahl der Jüngerinnen und Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung. Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir für die Mahlzeiten sorgen und darüber das Wort Gottes vernachlässigen.Darum, ihr lieben Geschwister, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll heiligen Geistes und Weisheit sind, die wir bestellen wollen zu diesem Dienst. Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben. Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut; und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und heiligen Geistes und sechs weitere Männer. Diese Männer stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten die Hände auf sie. Und das Wort Gottes breitete sich aus. Und die Zahl der Jüngerinnen und Jünger wurde sehr groß in Jerusalem.“ Liebe Gemeinde! Ein erstaunlicher Dreiklang ist das: eine verzwickte Lage, eine Reform und schließlich Wachstum. Lukas präsentiert uns eine Episode aus den Anfängen christlicher Gemeinde. Was wir von ihm hören, ist uns ziemlich vertraut. Problemlagen gibt es gegenwärtig in unseren Gemeinden genug. In Eilshausen, Hiddenhausen, Lippinghausen, Oetinghausen, Schweicheln-Bermbeck und Sundern ist das nicht anders. Nun kommen sie aus diesen verschiedenen Gemeinden zur neuen Stephanusgemeinde zusammen. Spötter könnten sagen: jetzt wird aus den Problemlagen, die eher klein und überschaubar sind, ein unendlich großes Problem. Aber der Name Stephanus verheißt uns etwas anderes. Gewiss, die Gemeinden, wie wir sie mit ihren Möglichkeiten kennen aus den letzten Jahrzehnten, sind in Schwierigkeiten geraten. Das Geld ist knapper geworden. Wir haben mit Abbau und Rückbau zu tun, so heißen die üblichen Worte. Weniger Pfarrstellen, weniger Stunden für andere Bereiche der Gemeindearbeit – bis hin zur Jugendarbeit. Da gibt es konfliktgeladene Situation. Das kann man gut sehen. Dahinter steht dann auch die Frage nach unserer grundsätzlichen Orientierung. Es ist nicht immer so ganz klar, aus welchem Geist heraus wir in unserer Kirche und in unseren Gemeinden handeln. Leitet uns ein wirtschaftlicher Geist, der von Zahlen fasziniert bzw. verunsichert ist, leitet uns ein ängstlicher Geist, der alles den Bach runter gehen sieht, leitet uns ein neidischer Geist, der dem Nachbarn nichts gönnt – oder ist es der Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit, den Gott uns gegeben hat? Für unsere heutige Lage bietet die Apostelgeschichte spannende Einsichten. Ein Problem in der Jerusalemer Urgemeinde wird gelöst, die Gemeinde wächst. Kein Abbau sondern Wachstum! Die Menschen nehmen wahr, dass die Christen und Christinnen von einem besonderen Geist beseelt sind. Auffallend ist: Zuerst hebt Lukas die Ausbreitung des Wortes Gottes hervor, dann erst berichtet er von dem zahlenmäßige Wachsen. Die grundsätzliche Orientierung muss stimmen. Damit fängt alles es an. Lukas hält fest: Die Gemeinde Jesu bleibt von Problemen und Konflikten nicht verschont. Ein Konflikt in Jerusalem Nicht nur Friede und Freude. Das muss man sich mal vorstellen. Irgendwie tröstlich, finde ich. Wenn wir uns untereinander in die Wolle kriegen, weil wir verschieden sind und eben auch ganz Verschiedenes wollen, dann ist das für eine christliche Gemeinde offenbar nichts Ungewöhnliches. In Jerusalem war es auch nicht anders. Die Christen damals haben auch nur mit Wasser gekocht – und sind angewiesen auf den Geist. Liebe Gemeinde, ich glaube, Lukas bietet uns so etwas wie ein Konfliktlösungsmodell an. Das beschreibt er aber nicht als menschliche Strategie, sondern als Wirken des Geistes Gottes in der Gemeinde. Stephanus, der prominenteste der sieben Armenpfleger, ist „voll Glaubens“ und „voll des heiligen Geistes“. Daher kommt die Kraft. Wo der Geist wirkt, können Konflikte und Problemlagen klar angesprochen werden. Man muss nichts unter der Decke halten. In Jerusalem gab es gewichtige Probleme: Die Leute haben gemurrt. Die Versorgung mit Lebensmitteln für einen Teil der Gemeinde funktionierte nicht, weil die Leitung mit so vielen anderen wichtigen Dingen – besonders aber mit der Feier des Gottesdienstes - beschäftigt war. Murren. Ein heimliches Getuschel im Hintergrund. Und ich dachte das gäbe es nur in ostwestfälischen Gemeinden. Hier kommt die Stärke von Petrus, Johannes und den anderen Gemeindevorstehern ins Spiel. Sie hören auf das Getuschel im Hintergrund. Das Murren ist ja noch kein offener Konflikt, es ist eine Unzufriedenheit, die als Stimmung da ist und das Miteinander erschwert. Petrus, Johannes und die anderen hören hin und erkennen: wir können nicht nur für den Gottesdienst sorgen, wir müssen auch die Menschen in Notlagen versorgen. Verkündigung und Barmherzigkeit, das gehört zusammen. Das muss schon beides da sein, wenn es Gott gefallen soll. Gottes Wort verkündigen und dabei über die Menschen hinwegsehen, das geht nicht gut. Ein wichtiges Amt bekleiden und die täglichen Belange des Alltags gering schätzen, das kann kein Weg sein. Es gibt keine Gotteserkenntnis ohne Barmherzigkeit. Der Dienst hat diese zwei Seiten. Das ist ein weitgespanntes Verständnis von Diakonie. Lukas gebraucht an dieser Stelle das Wort Diakonie etwas anders, als wir das kennen. Diakonie, also Dienst ist nicht auf soziale Hilfe begrenzt. Auch der Dienst am Wort ist Diakonie. Diakonie ist die umfassende Lebenshaltung der Christen, die dann je nach Situation verschieden akzentuiert werden kann – davon schreibt Lukas. Was mich fasziniert: Diese wichtige Einsicht wird jetzt nicht einfach von oben herab – top down – in die Gemeinde hineingesteuert. So machen das ja die Strukturfetischisten in heutiger Zeit – auch in der Kirche. Hier gibt es eine Gemeindeversammlung. Die Leitung macht den Vorschlag: Seht, ob ihr jemanden unter euch findet. Der Gemeinde wird damit zugetraut: Sie wird den richtigen Weg und die geeignete Person finden. Sie wird schon ihren Stephanus entdecken. Es entwickelt sich ein großes Einverständnis – Einmütigkeit - über den Verfahrensweg – und dann geht es weiter. Stephanus und die anderen werden zum Dienst berufen. Für Stephanus bedeutet das: er selbst übernimmt den Tischdienst für die Armen und ist zugleich – voll des Geistes und voller Weisheit - Verkünder des Wortes. Auch bei ihm gehören Verkündigung und Barmherzigkeit zusammen. Das liegt der Herzschlag von Gemeinde. Der Geist Gottes stupst uns hier auf eine entscheidende Einsicht, die uns aus unseren Problemlagen heraushelfen kann und wird. Wir müssen darauf sehen, wo die eigentlichen Kräfte für Gemeinde liegen. Gott und den Nächsten lieben. Wir sollten uns nicht allzu lange mit den Nebenschauplätzen befassen. Sonst geht uns die Puste aus. Liebe Gemeinde, in der neuen Gemeinde versammeln sich durchaus voneinander verschiedene Gruppen. Wir sprechen kirchlich nicht immer dieselbe Sprache. Wir bringen verschiedene Traditionen mit, auch Frömmigkeit kann verschieden gelebt werden. Manchmal ist es unter uns, als redete der eine griechisch und die andere hebräisch. Mit Stephanus kann man lernen: Und es geht doch. Hier herrscht nicht eine Sprache über die andere, hier bleibt man aufmerksam für das Getuschel im Hintergrund, hier wird die Gemeinde mit auf den Weg genommen, hier wird gemeinsam beraten - und hier ist Konzentration auf das Wesentliche: Wir sollen Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen Kräften und unseren Nächsten wie uns selbst. Dass die verschiedenen Teile zusammenwachsen zur Ehre Gottes und zum Besten der Menschen - das schenke uns der Heilige Geist. |
| Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 01. Oktober 2010 um 10:27 Uhr |

Streit in der Gemeinde


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von unserem Herrn und Heiland Jesus Christus.