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Die St. Gangolf-Pfarrkirche |
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Geschrieben von: Andrea Fenzl
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Sonntag, den 03. Juli 2011 um 15:58 Uhr |
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Inhalt:
Die St. Gangolf-Pfarrkirche
Baugeschichte
Die Turmuhr
Der Altar
Die Glocken
Auskunft und Führungen
Literatur
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DIE ST. GANGOLF-PFARRKIRCHE Bislang wurde vermutet, dass die Kirche im Kern ein romanische Pfarrkirche sei, deren Geschichte bis in die Zeit vor der Christianisierung Westfalens zurückreicht. Allerdings gibt es von ca. 800 bis 1300 keinen einzigen bekannten baulichen Hinweis über das Kirchengebäude. Wie umfangreiche Recherchen erst in diesem Jahr (2011) ergeben haben, ist die heutige Kirche gut 500 Jahre alt.
Die aufschlussreichen Details der Recherche von Herrn Heinz Höpner können Sie hier herunterladen.
Über 400 Jahre lang war sie eine Filiale der Bünder Kirche St. Laurentius, die den Mittelpunkt eines weit ausgedehnten Missionsbezirkes (Urpfarrei) im Bistum Osnabrück bildete. In einer Schenkung übertrug Kaiser Ludwig der Fromme die Einkünfte und Patronatsrechte der Abtei Herford.
Mit der Aufteilung des alten Bünder Pfarreibezirks wurde die Hiddenhauser Filialkapelle Mitte des 13. Jahrhunderts zur Pfarrkirche eines neu errichteten Kirchspiels erhoben; es umfasste die Bauernschaften Hiddenhausen, Eilshausen, Lippinghausen, Oetinghausen und später auch das aus dem Gutsbezirk erwachsene Dorf Bustedt. In dieser Größe bestand die Kirchengemeinde noch bis 1962, als durch Abpfarrung vier selbständige Kirchengemeinden entstanden. So erstreckte sich der pfarramtliche Versorgungsbereich der Hiddenhauser „Mutterkirche" auf das gesamte Gebiet zwischen Bünde und der freien Reichsstadt Herford, ausgenommen Schweicheln-Bermbeck und Sundern, die kirchlich zusammen mit dem „hilligen Hervorde" zur Paderborner Kirchenprovinz gehörten.

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BAUGESCHICHTE
In alten Urkunden findet sich lediglich erwähnt, dass im großen Ur-Kirchspiel von Bünde eine „Filialkirche“ in Hiddenhausen errichtet wurde. Ob es sich dabei um einen Bau aus Holz oder Stein handelte, ist ebenso unbekannt wie seine Form und Maße. Dass aber dieser Kirchbau vor 1300 immerhin schon am gleichen Standort lag, an dem die heutige Kirche steht, lässt sich aus einer anderen Urkunde schlussfolgern, die davon berichtet, dass um das Jahr 1000 ein besonderer Wohnsitz gleich nördlich hinter der Kirche erbaut wurde (also unmittelbar hinter der alten Kirchhof-Mauer, die in Resten noch heute erhalten ist).
Die heutige Kirche (bzw. deren Kernbau vor allen späteren Erweiterungen) wurde im 1. Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts errichtet. Das Alter der heutigen Kirche lässt sich anhand umfangreicher Recherchen, am Alter des daran angrenzenden Turmes festmachen: zwischen 1490 und etwa 1505 begann man damit, direkt an den ehemaligen Wachturm einen Kirchen-Saal anzubauen. Gleichzeitig bekam der klotzige Turm nun auch eine neue Funktion: er wurde zum KIRCH-Turm, und: er bekam einen sogenannten „gotischen Helm“, also ein hohes, spitzes Turmdach. So lässt sich also nicht nur das Alter des Turmes, sondern auch das Alter der heutigen Kirche ziemlich genau benennen.
Während des Dreißigjährigen Krieges fiel der Saalbau Verwüstungen und Plünderungen zum Opfer; der offenbar maßstabgetreue Wiederaufbau kam 1665 zum Abschluss. Um 1696 hat man das Kirchenschiff um etwa ein Drittel nach Osten hin verlängert; entsprechend klein, war demnach der 1500/1505 zuerst erbaute Kirchenraum. Erst 1885 bekam die Kirche dann einen Steinfußboden.

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Ihm folgte die Ausstattung mit barockem Inventar: Taufe und Barockkanzel von 1673, Glocke der Stifterfamilien v. Eller/ Consbruch von 1666, Abendmahlskelch 1704, Prunkepitaph 1719 und Orgel von 1722. Das Kirchenschiff, schon 1696 auf das heutige Rechteckmaß nach Osten erweitert, hatte bis 1956 seinen Eingang in der Mitte der Südwand; die Emporen im Kirchenschiff waren bis 1911 nur über Außentreppen zugänglich, so dass die Kirche 570 Besuchern Sitzplatz bot. Schön gravierte Namensschilder auf den Bänken zeigten an, wo die betreffende Familie bzw. Person platzzunehmen hatte – und wo nicht.

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Ein weit reichender Umbau erfolgte 1911: Rechteckapsis mit Sakristei und Taufkammer, Abbruch der Süd- und Ostempore, dafür Anbau zweier Gutspriechen an der Nordseite, Schließung der Totengruften und neue Anordnung des Kircheninventars. Zahlreiche Ergänzungsarbeiten, besonders die Erweiterung der Westempore 1940 und die Schließung des Südeingangs 1956, verliehen der Kirche trotz schmerzlicher Inventarverluste (Schalldeckel der Kanzel von 1673 und zwölfarmiger Kronleuchter von 1610) ihr ausdrucksvolles Erscheinungsbild.

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DIE TURMUHR
Lohnenswert ist ein Blick in das erste Turmgeschoß. Die voll funktionsfähige Uhr von 1884 (Beyes, Hildesheim) wurde 1989 bei Umbauarbeiten wiederentdeckt und danach mit viel Liebe restauriert; fünf Zentnergewichte bewegen das Walzenwerk. Einmal pro Woche muss das Uhrwerk manuell aufgezogen werden und funktioniert bis heute tadellos.

DER ALTAR
Das wertvollste Inventarstück der Kirche, der spätgotische Altar von 1520, zieht schon von weitem die Blicke des Besuchers auf sich. Wegen seines zweifachen Standortwechsels 1696 und 1911 ist der Altartisch leider jüngsten Datums (1956); jedoch die schwere, originale Mensaplatte zeigt noch die fünf Weihekreuze des Osnabrücker Bischofs.

Die qualitätvolle Staffelmalerei des Sockels (Predella) verkündigt in Aufnahme vorreformatorischer Bezüge bereits „evangelische" Reformlehre der damaligen Umbruchepoche. So zeigt der heutige Altarschrein in farbig übermalter Goldfassung neben der Kreuzigungsszene im Mittelfeld zwei unbekannte weibliche und zwei männliche Heilige der Kirche. Über dem Apostel Andreas steht im linken oberen Feld der im norddeutschen Raum selten zu sehende Ritter St. Gangolf, der Schutzheilige der Hiddenhauser Kirche.
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Kirchenfenster:


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DIE GLOCKEN
Die Pfarrkirche St. Gangolf hat drei Glocken in unterschiedlicher Größe. Eine von ihnen hat eine bewegte Geschichte. Pfarrer Ulrich Rottschäfer beschreibt diese Geschichte eindrucksvoll in „Das alte Hiddenhausen“, erschienen anläßlich des 125-jährigen Bestehens des CVYM Hiddenhausen:
„Gemäß dem Erlaß (...) vom Frühjahr 1940 waren alle Bronzeglocken im deutschen Reichsgebiet der „Rüstungsreserve“ zuzuführen. Heftiger Protest aus allen Teilen des Landes bewirkte immerhin, dass eine totale Glockenvernichtung abgewendet und (lediglich) eine Läuteglocke vor Ort behalten werden durfte, trotzdem bedeute diese Sachlage den Verlust zweier historischer Glocken der Hiddenhauser Kirche.
Was tun? Eine kluge List hielt schließlich den Schaden in Grenzen. Das Oetinghauser Kirchengeläut, drei erst im April 1938 beschaffte neue Bronzeglocken, wurde schon im März 1942 im Glockenstuhl des dortigen Kirchturms von belgischen Kriegsgefangenen zerschlagen, Tagelang dröhnten die Hammerschläge über das Dorf hinweg. Da beschloß das Hiddenhauser Presbyterium am 6. Mai 1942: wir opfern unsere 1925 beschaffte große Glocke zum Einschmelzen, und bringen unsere Michelin-Glocke von 1667 nach Oetinghausen, die so als dortige einzige „Läuteglocke“ Schutz erfährt. Die Marienglocke von 1509 wurde zur Hiddenhauser „Läuteglocke“ bestimmt und war damals ebenfalls gerettet. Ein geschickter Plan!
Erst 1956 fand die Rückholung der Michelin-Glocke aus Oetinghausen nach Hiddenhausen statt, blieb aber noch ein ganzes Jahr außer Betrieb, denn zur Vervollständigung des Geläuts mußte die große verlorene Glocke neu hergestellt werden. Die Gemeinde gab sie bei der Eisengießerei in Bochum als Stahlglocke in Auftrag, und am 11. April 1957 traf sie schließlich in Hiddenhausen ein. ...“
Das Buch „Das alte Hiddenhausen“ (160 Seiten, üppig bestückt mit historischen Fotoaufnahmen und Geschichten) kann übrigens im Gemeindebüro erworben werden.

Am 11. April 1957 traf die neue Stahlglocke aus Bochum in der Gemeinde Hiddenhausen ein.

Am 6. Juni 1957 wurde die Glocke dann von Pastor Rütenik, Küster Kollmeier und einigen tatkräftigen Helfern in den Kirchturm eingeholt.

Zahlreiche Kinder beobachten das spannende Ereignis. Im Pfingstgottesdienst am 9. Juni 1957 erklang nach 15 Jahren erstmals wieder das Dreigeläut über den Häusern der Gemeinde.
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Auskünfte und Führungen: Pastor Ulrich Rottschäfer ‑ Telefon 05223 8867.
Literatur: Rottschäfer, Ulrich: Die Predigt der Hiddenhauser Predella. Herford 1987.
Rottschäfer, Ulrich: Das alte Hiddenhausen. Hiddenhausen 2002.
Weitere Aufsätze zur Kirchengeschichte sind in den Gemeindebriefen der ev. Kirchengemeinde Hiddenhausen seit 1986 zu finden. Das Inhaltsverzeichnis können Sie hier herunterladen.
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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 09. November 2011 um 11:25 Uhr |
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