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Der Umbau der St. Gangolf-Kirche 1911 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Andrea Fenzl   
Freitag, den 18. November 2011 um 00:00 Uhr


Den vollständigen Artikel
(Folge 93) aus der Reihe »Zeugen und Zeugnisse aus unserer Gemeindegeschichte« von
Herrn Heinz Höpner können Sie
Pfeil hier herunterladen.

Pfeil Der Kirchenumbau von 1911

Vor genau 100 Jahren, von Mai bis November 1911, erfolgte ein großer Umbau unserer alten Dorfkirche. Am Sonntag, dem 19. November 1911, konnte die völlig umgestaltete Kirche zu Hiddenhausen mit Posaunenchor und unter kräftigem Glockengeläut wieder eingeweiht werden. In seiner Ursprungsplanung wahr urspünglich vorgesehen, dass die ganze Kirche abgerissen und durch einen viel größeren Neubau ersetzt werden sollte. Die ständig gewachsene Einwohnerzahl des Kirchspiels Hiddenhausen hatte dazu den Anlaß gegeben. Aber es sollte dann doch alles ganz anders kommen – zu unserm Glück, so dass uns die alte Kirche erhalten blieb!.

Schon bei der Kirchenvisitation vom 22. November 1906 waren erste Überlegungen angestellt worden, den mittlerweile in Hiddenhausen gehaltenen zweiten Gottesdienst nach Lippinghausen oder Oetinghausen zu verlegen. Das aber stieß auf den erbitterten Widerstand des Hiddenhauser Pastors Wilhelm Meyer (1859-1931) und eines großen Teils der ihm „treu ergebenen“ Presbyter. Diese wollten nur eine einzige Gottesdienst-Stätte im großen Kirchspiel, nämlich die Hiddenhauser Kirche.

So war es auch Pastor Meyers Plan, die alte Kirche ganz abreißen, dann größer und höher und vielleicht kreuzförmig eine neue Kirche mit mindestens 1.100 Sitzplätzen neu bauen. Allerdings fanden Seine Vorstellungen wenig Befürworter. Am Ende scheiterten seine Pläne auch an der Finanzierbarkeit.


 

St. Gangolf Pfarrkirche (um 1910)





Die Kirche heute





Gegen den Widerstand von Pastor Meyer wurde schließlich am 23. Februar 1908 der erste Gottesdienst in der Schule zu Oetinghausen gefeiert: Im Beisein des Herforder Superintendenten Höpker und dessen Sohn, der bereits für eine künftige Pfarrstelle in Oetinghausen vorgesehen war, predigte an diesem Sonntag der westfälische Generalsuperintendent Zoellner!

Es blieb nicht aus, dass Pastor Meyer sich gehörig provoziert fühlte. Gemeinsam mit einigen Presbytern beschwerte er sich per Brief vom 17.März 1908 bei der obersten preußischen Kirchenbehörde, dem Königlichen Konsistorium in Berlin – und erhielt am 19. März 1909, ein ganzes Jahr später, von dort die Antwort, die »Beibehaltung des sonntäglichen Gottesdienstes in Oetinghausen« werde ausdrücklich »befohlen«.


Stattdessen begann man in Hiddenhausen mit Entwürfen einer weitreichenden Umgestaltung der vorhandenen alten Dorfkirche. Sie sollte am Ende von innen wie von außen ein völlig neues Gesicht bekommen: von vormals 570 Sitzplätzen (einschließlich dreier großen Emporen!) sollten nur noch ca. 330 übrig bleiben.

Die beiden Emporen im Süden und im Osten, auf der die Orgel stand, sollten ganz entfernt werden, die Orgel stattdessen auf der Westempore einen neuen Standort finden. Damit würden auch die drei steinernen Außentreppen (!) im Osten und im Süden, die mit Außentüren zu den Emporen führten, nicht mehr benötigt.

Ein hoher Altarraum, groß genug, um auch die Kanzel noch darin aufzunehmen, sollte im Osten angebaut, rechts und links davon eine Taufkammer und eine Sakristei ergänzt werden.




 







Auch für Bustedt und Hiddenhausen, die beiden Gutshäuser, die seit alter Zeit ihre festen Plätze auf den Emporen gehabt hatten, musste nunmehr ein Ersatz geschaffen werden: zwei »Priechen« galt es darum auf der Nordseite noch anzubauen  -  somit also fünf angebaute Räume insgesamt! Neben Orgel und Kanzel sollten auch Altar und Taufstein neue Standorte bekommen.

Endlich begannen am 22. Mai 1911 die Bauarbeiten. Das ganze Vorhaben galt im Dorf als sensationell war immer wieder von Meinungen, Meinungsänderungen, Verordnungen, Genehmigungen, Schriftsätzen, Protestbriefen und dergleichen mehr begleitet.

Der vormals aufgebrachte Graf Solms-Sonnenwalde wurde noch soweit versöhnt, dass er eines der drei kunstvollen Jugendstilfenster (das Christus-Fenster, heute auf der Nordseite) stiftete, die sich von 1911 bis etwa 1956 in der Wand hinter dem Altar befanden.

Das große Fenster rechts davon (Apostel Paulus) stiftete Familie Oskar von Consbruch vom »Amtshof« (Gut Hiddenhausen), das Fenster auf der linken Seite (Apostel Johannes) der größere Consbruch’sche Familienverband, wie es auch die Inschriften bis heute entsprechend ausweisen.

Nur wenige Tage vor dem festlichen Einweihungsgottesdienst trafen die kostbaren Fenster erst Ende Oktober in Hiddenhausen ein.

 



Am Sonntag, den 19. November 1911 wurde die Kirche dann mit einem Festgottesdienst feierlich eingeweiht.




 

Pfeil Auskünfte und Führungen:
Pastor Ulrich Rottschäfer ‑ Telefon 05223 8867.

 





 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 18. November 2011 um 21:07 Uhr
 

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