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(von Pfarrer Ulrich Rottschäfer, Foto: © Andrea Fenzl)
„Wo kommen bloß die vielen Menschen her?“, frage ich mich manches Mal, wenn ich die Massen sehe, die in den Adventwochen durch die Straße fluten. Und was mögen sie denken? Anscheinend macht Weihnachten regelmäßig alle und alles furchtbar unruhig, jedenfalls schon lange, lange vor Heiligabend, um zum Fest regelrecht erschöpft zu sein. Alle denken wohl an Weihnachten – aber ob wohl jemand an Weihnachten denkt? An das geheimnisvolle Geschehen in Bethlehem? An das schlafende Kind im Schoß seiner Mutter?
Dem aufgeklärten – oder sollte ich besser sagen: abgeklärten – Menschen unserer Zeit ist offenbar die Dimension des Geheimnisses ganz abhanden gekommen. Denn ein Geheimnis hat immer mit Stille zu tun, mit Schweigen können. Auch mit Staunen, denn ohne das Staunen kann in uns keine Freude erwachsen, zu der uns Weihnachten doch alle führen will. Und letztlich auch keine Dankbarkeit. Eben das können wir immer wieder an Kindern beobachten. In geheimnisvoller Erwartung verstummen sie vor einem Geschenk, bestaunen es bald von allen Seiten, und ihre freudestrahlenden Augen zeigen uns dann schließlich: es ist gut „angekommen“. Haben wir vielleicht mit dem „Geheimnis“ um Weihnachten auch die Fähigkeit zu staunen verloren?
Womöglich versuchen wir durch alles Tempo, alle Hektik und allen Lärm auch den eigenen Lebensfragen aus dem Wege zu gehen: Wer bin ich? Ein vergängliches Etwas im Strom der Zeit? Warum? Und woher? Und wozu? Und wohin? Aber mit diesen Fragen klopft nach dem Verständnis des christlichen Glaubens Gott selbst an unsere Tür. Und die Adventwochen, das lässt sich wirklich entdecken und auch aktiv so gestalten, schenken uns für solche Fragen Zeit. Dass ich mal die Stille suche, in sie eintauche, meiner Lebensfrage nicht ausweiche. Auf „geheimnisvolle Weise“ sucht der, der an meine Tür klopft, die persönliche Begegnung, um sich an Weihnachten mir mitzuteilen.
Vielleicht kommen wir dann am Ende ins Staunen darüber, was bei Gott möglich ist: er wird ein Knecht und ich ein Herr, das mag ein Wechsel sein! Nur weil ich in seiner Hand bin, bin ich so wertvoll. Dass ich von ihm geliebt bin, wiegt alles Dunkle auf. Dass er mir seine Treue verbürgt, nimmt mir die Furcht vor aller bösen Macht der Welt. Sein Kommen zu mir kann mich nicht anders als dankbar machen, denn mir wird klar: allein sein Dienen-wollen ist mein Leben-dürfen!
Um derart lebensfroh Weihnachten zu feiern, brauchen wir die Adventzeit. Gewiss, so manches ist tatsächlich zu bedenken und zu tun bis zu den Festtagen. Wenn uns all das nur nicht besinnungslos macht! Ich wünsche Ihnen darum „Ruheräume“ im Advent, Inseln der Stille, auf denen die eigene Lebensfrage so hörbar wird wie das „geheimnisvolle Klopfen“ dessen, der vor der Lebenstür steht, um sich mitzuteilen.
Gesegnete Tage!

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