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Die Schöpfung PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Andrea Fenzl   
Dienstag, den 21. Juni 2011 um 10:57 Uhr



(von Pfarrer Ulrich Rottschäfer)

Während viele andere zentrale Begriffe der Bibel in der modernen Gesellschaft verblasst und ganz fremd geworden sind, hat, direkt im Gegensatz dazu, der Begriff „Schöpfung“ in den vergangenen zwanzig, dreißig Jahren eine geradezu einzigartige „Konjunktur“ erlebt. Er ist den meisten Menschen immer deutlicher ins Bewusstsein gerückt, ist immer wichtiger geworden für die Gesetzgebung der Kommunen, des Staates, für weltweites Wirtschaften (Energiefragen, Klimaschutz), für Parteien und Verbände, für ungezählte Bürgerinitiativen, natürlich auch für die Kirche. Der Naturschutz als das „Bewahren der Schöpfung“ ist, anders als allen Generationen vor uns, einer breiten Bevölkerung zu einem zentralen Anliegen geworden, und keine politische Kraft, die Wahlen gewinnen will, darf heutzutage dieses Thema ausklammern.

Merkwürdigerweise ist nun aber die Welt und auch die Gesellschaft unseres Landes dabei keineswegs, wie man oberflächlich schlussfolgern könnte, christlicher geworden – so unbefangen, selbstverständlich und überall man heute sicherlich über die „Schöpfung“ sprechen kann, so verhalten – und auch eher selten – kommt dabei doch „der Schöpfer“, also Gott, zur Sprache.

Das macht mich nachdenklich. Ist der Naturschutz nun „eine Frage des Glaubens“ – oder etwa nicht? Er ist es offenbar nicht exklusiv: er ist durchaus auch ganz allgemein eine Frage der Vernunft, auch eine Überlebensfrage der Menschheit schlechthin, wohl auch eine Frage der Angst vieler Menschen, eine Frage der Lebensqualität und der Lebensansprüche (darum übrigens in den „reichen“ Ländern der Erde sehr viel stärker ausgeprägt als in ärmeren). Und doch ist er – für Christen – ein zentraler Inhalt und auch eine Konsequenz ihres Glaubens: wir glauben an Gott, den Vater, den Allmächtigen, DEN SCHÖPFER. Was ist das besonders Christliche daran? Anders gefragt: wie und warum verstehen wir als Christen alle Natur als „Schöpfung Gottes“? Wo immer die Bibel von „Schöpfung“ spricht, und das ja schon auf der ersten Seite, spricht sie von Beziehungen: Gott hat den Menschen geschaffen „samt allen Kreaturen“. Der Mensch steht also nicht isoliert in der Welt, sondern gehört mit allem Geschaffenen zusammen. Er gibt sich, wie alle Kreatur, das Leben nicht selbst, sondern erhält es aus dem Nichts heraus zum Geschenk. Tagtäglich verweist ihn darum sein Leben, alle Schöpfung, auf den Schöpfer, dem er Dank schuldet und ihm zugleich verantwortlich ist.

Der Mensch ist also nicht begrenzt und eingeengt auf den eigenen kleinen Daseinskreis, in dem er geboren wird, aufwächst, lernt und wirkt, heiratet, verdient, verbraucht und sich zur Ruhe setzt. Er soll sich vielmehr eingebunden erkennen in all das, was um ihn in der weiten Welt geschieht. Er soll sich der großen Weite seines Daseinsraums bewusst werden, sich in die ganze Fülle einbezogen und darum mitverantwortlich wissen, eben „die Erde bebauen und bewahren“ – im Auftrag Gottes! Diese Erde ist dem Menschen anvertraut – von Gott, in dessen Hand sie zugleich bleibt. Dabei ist die zerstörerische Maßlosigkeit des menschlichen Willens und Handelns eine ständige Bedrohung für die gute Schöpfung.

Jedenfalls bedeutet das Ja zu dem Bewahrungsauftrag zugleich auch ein JA zu dem Schöpfer, der alles, was ist und geschieht, gewirkt hat und noch heute mit Lebenskräften durchdringt. Wer sich für die Schöpfung einsetzt, dient damit also längst, wenn er es auch nicht so sagt oder weiß, letztlich Gott!

Mein Vorschlag: sagen wir’s ihm doch! Laden wir ihn ein, im Geschöpf den Schöpfer zu erkennen und zu loben. So gesehen, ist die Bevölkerung am Ende vielleicht doch „christlicher geworden“ ?

Dann bis bald – im Gottesdienst…

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 21. Juni 2011 um 11:42 Uhr
 

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